Challenge LEague
FC Stade Nyonnais - FC Aarau 3:0
Colovray, Nyon. - 840 Zuschauer. - SR: Bieri.
Tore: 5. Besseyre (Pen) 1:0. 73. Morganella 2:0. 85. Andreu 3:0.
Ein Spiel voller Skandale
Die Aarauer waren an den Genfersee gereist, um gegen Stade Nyonnais
drei weitere Punkte auf fremdem Terrain (nach dem 1:2-Erfolg in
Winterthur) einzufahren. Das erste Duell mit dem bisherigen
Tabellenletzten der Challenge League verdiente sich das Prädikat
"denkwürdig" aber aus einem anderen Grund, denn der Unparteiische Alain Bieri drängte sich von Anfang an ins Zentrum des
Geschehens.
Es begann in der fünften Spielminute, als Ngindu nach einer
leichten
Berührung an der Schulter durch Loris Benito von der Schwerkraft
getroffen zu Boden ging und der Mann in Schwarz zum Entsetzen der Gäste
auf den Penaltypunkt zeigte, von wo aus Besseyre abgebrüht zur
frühzeitigen Führung für Stade Nyonnais vollendete. Der FC Aarau liess
sich aber davon nicht beirren, befand sich mehrheitlich im Ballbesitz
und
kam nach zwanzig Minuten zu einer guten Gelegenheit, als Bengondo von
der Strafraumgrenze knapp über die Querlatte schoss. Die Einheimischen
wirkten spielerisch limitiert, wussten allerdings immer wieder
punktuelle Nadelstiche in Form von zügigen Konterangriffen zu setzen.
Als der pfeilschnelle Nyon-Flügelläufer Ngindu entwischt war, rettete
Ludäscher für seinen überspielten Torhüter Studer kurz vor der Torlinie
(24.) aufmerksam.
Auf der Gegenseite wurde ein Kopfballtreffer Bengondos nach
Hereingabe
von Burki aufgrund einer Abseitsposition annulliert (28.). Eine
akzeptable Entscheidung - im völligen Gegensatz dazu, was sich fünf
Zeigerumdrehungen später im hübschen Centre Sportif de Colovray zu Nyon
abspielte.
Nachdem Bengondo und Ndzomo im Mittelfeld aneinander geraten waren,
wurde der Aarauer Angreifer wegen einer angeblichen Tätlichkeit des
Feldes verwiesen. Dass sich Polverino angesichts dieser Ungerechtigkeit
verbal nicht zu beherrschen vermochte, war abermals ein gefundenes
Fressen für einen an Kleinlichkeit nicht zu überbietenden Herrn Bieri,
der den Mittelfeldspieler wegen wiederholtem Reklamieren mit der
Ampelkarte vom Platz stellte. Fortan musste der FCA in doppelter
Unterzahl auskommen, was aber kaum etwas an der leichten Aarauer
Überlegenheit änderte. In den letzten Minuten der ersten Hälfte schoss
Gonçalves (42.) aus der Drehung knapp drüber, wenig später traf Katana
von linksaussen nur ins Aussennetz. Dass Schiedsrichter Bieri
trotz vielen Unterbrechungen ohne Nachspielzeit zur Pause pfiff,
sprach für sich...
Das erste Ausrufezeichen in der zweiten Hälfte hatte seinen
Ausgangspunkt unnötigerweise im Gästesektor, von wo aus ein kleiner
Knallkörper auf den Rasen geworfen
wurde. Diese dämliche Aktion bewegte Nyon-Torhüter Debonnaire, in
dessen Umfeld sich die Explosion abspielte, dazu, schockiert zu Boden
zu sinken. Nun durfte sich wiederum Schiedsrichter Bieri im Mittelpunkt
zeigen, um die Partie tatsächlich für eine Dauer von fünf Minuten zu
unterbrechen. Auch nachdem sich die Szenerie wieder beruhigt hatte,
waren die kämpferischen Aarauer ebenbürtig, doch die seltenen
Torchancen blieben allesamt ungenutzt - auch Ludäscher, dem das Leder
im Strafraum vor die Füsse fiel, vermochte aus zwölf Metern nicht zu
reüssieren (61.). Die Gastgeber vermochten ihre Überzahl weiterhin nur
selten auszunutzen und als erneut Ngindu, auffälligster Akteur von
Stade Nyonnais, vor Studer auftauchte, liess sich der Aarauer
Schlussmann nicht bezwingen (67.).
Die Kräfte der Equipe von Ranko Jakovljevic liessen in der
Schlussphase, seit über vierzig Minuten mit zwei Spielern weniger
agierend, logischerweise nach, was Nyon für den Todesstoss nutzte. Eine
flache Hereingabe von Ngindu brachte Morganella aus kurzer Distanz zum 2:0
(73.) im gegnerischen Gehäuse unter. Und der eingewechselte Andreu
fixierte schliesslich per Kopf einen zu deutlichen Endstand von 3:0
(85.). Die Begegnung war entschieden, nun folgte der letzte Auftritt von
Schiedsrichter Bieri: Zuerst wurden "nur" fünf Nachspielminuten
angezeigt, obwohl nur schon der Unterbruch nach dem Böllerwurf ebenso
lange dauerte und in der Folge verschiedene Auswechslungen und
Verletzungspausen hinzukamen. Zur gleichen Zeit hatten einige Aarauer
Anhänger - unter Beobachtung der Sicherheitskräfte - die Werbebanden
überwunden, ohne jedoch auf das Spielfeld vorzudringen. Dennoch nutzte
Bieri diese Verfehlung, um das Spiel vorzeitig abzupfeifen, denn jedes Theaterstück verdient einen würdigen Abschluss.
Es war umso ironischer, dass sich diese FCA-Fans nach dem Abpfiff
friedlich mit den Spielern unterhielten und sich selbst kurzzeitig
als Fussballer versuchten. Einzig Alain Bieri schien im Anhang der
Gäste eine Bedrohung für die eigene Gesundheit gesehen zu haben, was
jedoch perfekt zur eigentümlichen Sichtweise des Unparteiischen
passte.
Und was bleibt aus Aarauer Sicht vom ersten Gastspiel am Genfersee
in der laufenden Spielzeit? Eine sehr ärgerliche Niederlage, welche es
schnellstmöglich abzuhaken gilt - unabhängig von den "denkwürdigen"
Umständen. Denn am kommenden Samstag folgt schon das nächste
Gastspiel in der Romandie, wenn der FC Aarau im Rahmen der ersten
Hauptrunde im Schweizer Cup in Bavois zu Gast sein wird. Der Anpfiff im
Stade des
Peupliers erfolgt um 17.00 Uhr.
(Patrick Haller)
Bemerkungen:
Stade Nyonnais ohne Cocchiere (gesperrt), Cavaglia, Luongo, Malfleury, Pimenta (alle verletzt).
Aarau ohne Mall, Sinanovic, Stojkov, Zeqiri (alle verletzt).
Verwarnungen: 19. De la Loma (Unsportlichkeit), 29. Bengondo (Handspiel), 60. Ndzomo (Foulspiel)
Platzverweise: 33. Bengondo (Tätlichkeit), 35. Polverino (Reklamieren)
27. Kopfballtreffer von Bengondo wegen Abseits annulliert.
53. Die Begegnung wird infolge Zünden eines kleinen Knallkörpers für fünf Spielminuten unterbrochen.
93. Schiedsrichter Alain Bieri pfeift das Spiel vorzeitig ab, nachdem einige Aarauer Fans - von den Sicherheitskräften jederzeit beobachtet - über die Bande (nicht aber auf das Spielfeld) gesprungen waren.

FC Stade Nyonnais
Debonnaire; M. Germanier (69. Bolay), Levrand, Hauser, Katana; Ndzomo, D. Germanier; Ngindu, De la Loma (76. Andreu), Morganella; Besseyre (88. Ruhsenguziminega).
FC Aarau
Studer; Gonçalves (73. Müller), Rapisarda, Ludäscher, Benito; Polverino (34); Aratore (46. Ionita), Burki, Jakovljevic, Marazzi (82. Sabanovic); Bengondo.
