Axpo Super League
Neuchâtel Xamax FC - FC Aarau 3:3 (2:1)
Maladière, Neuchâtel. - 4'418 Zuschauer. - SR: Circhetta.
Tore: 12. Stojkov 0:1. 31. Varela (Pen) 1:1. 45. Besle 2:1. 58. Gavranovic 3:1. 75. Stojkov 3:2. 89. Stojkov (Pen) 3:3.
Grosse Moral mit Punkt belohnt
Der Jubel der mitgereisten Anhänger war grenzenlos: Der FC Aarau hatte
sich soeben mit einer bemerkenswerten Willensleistung beim vormaligen
Tabellenzweiten Neuchâtel Xamax ein 3:3-Unentschieden erkämpft. Auch
wenn das Kollektiv überzeugte, stach Aco Stojkov als dreifacher
Torschütze auf der Maladière mit seiner Leistung zweifellos heraus.
Aber alles der Reihe nach an diesem denkwürdigen Nachmittag: Ein kurzer
Blick auf die Aarauer Aufstellung offenbarte einige Überraschungen.
Loris Benito, 17-jähriger Neffe von Torhüter Ivan Benito, gab auf dem
linken Flügel sein unerwartetes Debüt in der Axpo Super League. Auch
Marazzi (für Pejcic) und Polverino (für Bastida) standen wieder in der
Startformation. Und Steven Lang lief im 4-4-2-System von Trainer Martin
Andermatt überraschend als zweite Sturmspitze neben Stojkov auf.
Auf
der künstlichen Unterlage liess Xamax in der siebten Minute erstmals
seine Qualitäten im Direktspiel aufblitzen, doch der Schuss von
Gavranovic wurde von Keeper Benito sicher pariert. Ebenfalls
sehenswert, und zudem erfolgreicher, war die erste Aktion der Gäste:
Ein Pass in die Tiefe (von Lang) erreichte Marazzi, der den Ball zu
Stojkov (12.) querlegte. Der Mazedonier traf aus kurzer Distanz mühelos
zum 0:1 ins Netz. Die Aargauer, mit viel Engagement ans Werk gehend,
blieben auch in der Folge am Drücker, vergaben in Person von Lang
(15./26.) allerdings zwei aussichtsreiche Schusschancen. Auf der
Gegenseite wurde Brown immer auffälliger: Zuerst strich sein Schuss nur
haarscharf am rechten Pfosten vorbei, wenig später rettete Benito mit
einer unkonventionellen Abwehr. In der 31. Minute war der
Ausgleichstreffer dennoch zur Tatsache geworden: Nach einem
regelwidrigen Tackling von Rapisarda an Nuzzolo weit ausserhalb des
eigentlichen Gefahrenbereichs verwandelte Varela den fälligen
Strafstoss souverän zum 1:1. Die Gastgeber blieben auch nach der
Egalisierung des Ergebnisses überlegen, doch Binya (35.) fand seinen
Meister erneut in Aarau-Keeper Ivan Benito. Kurz vor der Halbzeitpause
kam Xamax nach einem abgelenkten Schuss von Varela ins Aussennetz zu
einer Eckballserie. Im dritten Versuch köpfte Verteidiger Besle (45.)
schliesslich zur 2:1-Pausenführung für die Einheimischen ein.
Zu
Beginn des zweiten Durchgangs war die Begegnung zwar ausgeglichen, doch
die besseren Gelegenheiten besass weiterhin Xamax: Nach einem Angriff
über die linke Seite verzog Nuzzolo (51.) aus guter Position jedoch
deutlich. Die Geschehnisse in der 58. Minute standen sinnbildlich für
den bisherigen Aarauer Saisonverlauf: Zuerst liess sich die Gästeabwehr
durch ein weites Zuspiel von Brown auf Gavranovic düpieren. Letzterer
umspielte Rapisarda mühelos - und traf am machtlosen Benito vorbei zum
3:1 aus Sicht der Neuenburger. Auf der Gegenseite fasste sich Captain
Burki ein Herz, doch das Leder sprang (bezeichnenderweise) vom linken
Torpfosten ins Spielfeld zurück. Dass auch Stojkov im Nachschuss nur
die Torumrandung traf, ist nicht mehr als eine Randnotiz, stand der
quirlige Mazedonier doch im Abseits. Die Aarauer steckten allerdings
nicht auf, doch sowohl Stojkov (61.), dessen Schuss von Ferro glänzend
zur Ecke gelenkt wurde, als auch der eingewechselte Mustafi (64.) mit
einem Direktschuss von der Strafraumgrenze scheiterten knapp. Eine
Viertelstunde vor dem Ende war der Anschlusstreffer endlich Tatsache,
als Stojkov (75.) Xamax-Hüter Ferro mit einem tückischen Flatterball
überwinden konnte.
Nun avancierte die Begegnung zu einem
packenden Schlagabtausch: Einen Eckball von Burki köpfte wiederum
Stojkov (78.) nur knapp links am gegnerischen Gehäuse vorbei. Auf der
anderen Seite wussten Nuzzolo (81.) mittels Direktabnahme und Brown
(84.), dessen Schuss von Benito aufmerksam zur Seite abgewehrt wurde,
nicht zu reüssieren. Die grösste Gelegenheit zu einer Vorentscheidung
vergaben die beiden afrikanischen Xamax-Offensivkräfte Brown und Niasse
bei einem Konterangriff, als sie das Leder trotz numerischer Überzahl
vertändelten (87.). Der FC Aarau drückte weiterhin mit einer
leidenschaftlichen Vehemenz auf den Ausgleich, was in der vorletzten
Spielminute unter Mithilfe eines ehemaligen Aarauers tatsächlich
gelang: Burki wurde von Page im Strafraum unsanft angegangen, so dass
der souveräne Schiedsrichter Circhetta erneut auf Strafstoss zu
entscheiden hatte. Nun wurde der kleine Stojkov endgültig zur grossen
Figur, als er die Verantwortung übernahm - und den Foulpenalty souverän
zum 3:3 versenkte. Und es hätte für Aarau sogar noch besser kommen
können: In der Nachspielzeit wurde ein Distanzschuss von Bastida (93.),
dem die Versetzung auf die Ersatzbank sichtlich gut getan zu haben
scheint, leicht abgefälscht, doch Torhüter Ferro hielt das Remis für
seine Farben mit einem mirakulösen Parade fest. Die Aarauer gaben
ihrerseits ein kräftiges, solidarisches Lebenszeichen im Abstiegskampf
von sich und verkürzten den Rückstand auf die AC Bellinzona wiederum um
einen Punkt. (ph)
Bemerkungen:
NE Xamax ohne Faivre, Geiger (beide verletzt).
Aarau ohne Alexeev, Bengondo, Müller (alle verletzt).
Verwarnungen: 43. Nuzzolo (Foulspiel), 50. Binya (Unsportlichkeit), 55. Page, 75. Baykal (beide Foulspiel)
58. Schuss von Burki an den linken Pfosten. Nachschuss von Stojkov (im Abseits) ebenfalls nur an den Pfosten.

Neuchâtel Xamax FC
Ferro; Ismaeel, Besle, Page, Tixier; Varela (69. Niasse), Bah, Binya, Nuzzolo; Gavranovic (78. Wüthrich), Brown.
FC Aarau
I. Benito; Rapisarda, Stoll, Baykal, Elmer; Marazzi (75. Ionita), Polverino (54. Mustafi), Burki, L. Benito (62. Bastida); Lang, Stojkov.
